Gina H. war vier Jahre lang mit Fabians Vater liiert â von ca. August 2021 bis August 2025. Die Trennung erfolgte nur zwei Monate vor der Tat. Sie sah sich selbst als "Ziehmutter" von Fabian. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gina H. Fabians Vater zurĂŒckgewinnen wollte und Fabian dabei als Hindernis betrachtete.
In einer abgehörten Sprachnachricht vom Oktober 2025 beklagte sich Gina H. gegenĂŒber einer Freundin, dass Fabian in den Medien als "lieber Junge" dargestellt wĂŒrde â in ihren Augen sei Fabian keineswegs so lieb gewesen, denn er habe versucht, ihre Beziehung zu seinem Vater auseinanderzubringen.
âFabian aber sei keineswegs so lieb gewesen, so Gina H. gegenĂŒber ihrer Freundin, denn er habe versucht, ihre Beziehung zu Fabians Vater auseinanderzubringen." â NDR, Zeugenaussage ehemalige Freundin, 02.07.2026
Gina H. lebte ĂŒber ihre VerhĂ€ltnisse: Sie besaĂ fĂŒnf Pferde und Ponys, einen Pick-up und hatte stĂ€ndig neue Rechnungen. Sie war finanziell abhĂ€ngig von Fabians Vater. In einer abgehörten Sprachnachricht vom April 2025 sagte sie:
âEs sei schlimm, dass du mich erpressen kannst, dass ich alles verlieren wĂŒrde. Gibst du mir kein Geld, kann ich dies nicht, kann ich das nicht." â Gina H. in Sprachnachricht an Fabians Vater, April 2025
Kurz vor der Trennung im August 2025 schrieb sie an einen Bekannten, sie mĂŒsse "einen reichen Mann finden", sonst könne sie nichts. Die Staatsanwaltschaft sieht hierin ein starkes Motiv: Gina H. fĂŒrchtete, nach der Trennung ihren Lebensstandard nicht halten zu können.
Gina H. befand sich etwa neun Jahre in psychotherapeutischer Behandlung. Ihr langjĂ€hriger Psychotherapeut diagnostizierte eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Typus sowie eine soziale Phobie. Er verglich ihr GefĂŒhl der inneren Leere mit einem "Astronauten im All, ohne jeden Halt".
Sie bezog wegen ihrer psychischen Probleme eine Erwerbsminderungsrente. Der Therapeut beschrieb die Therapie als wenig erfolgreich â typisch fĂŒr eine Borderline-Symptomatik, die "ein Fass ohne Boden sein" könne. Gina H. lehnte die Einnahme von Medikamenten ab.
Im August 2025 unternahm sie zwei Suizidversuche. Zudem war im Prozess von einer Vergewaltigung sowie von Verletzungen durch frĂŒhere Partner die Rede. Der Therapeut fand es "ungewöhnlich" und "sehr befremdlich", dass Gina H. ihm nicht zeitnah von den Suizidversuchen berichtet hatte â möglicherweise seien diese als "Signale an ihr Umfeld" zu verstehen.
Eine TierĂ€rztin, die seit 2021 Gina H.s fĂŒnf Pferde betreute, beschrieb ein auffĂ€lliges Verhalten: WĂ€hrend Gina H. beim Tod ihres Lieblingspferdes "Tiffy" im Sommer 2024 "vollkommen aufgelöst und weinend" reagierte, zeigte sie sich nach Fabians Verschwinden und Tod "unangemessen sachlich" und "unbesorgt". Die TierĂ€rztin gab an, sie habe damals ĂŒberlegt, ob Gina H. mehr ĂŒber das Verschwinden wusste, als sie zugab.
Eine ehemalige Freundin schilderte Gina H. nach der Tat als "extrem kalt und schnodderig". Die Freundin hatte eine "total gebrochene" Gina H. erwartet, stattdessen sei sie auf eine völlig emotionslose Frau gestoĂen.
Gina H. gab gegenĂŒber der Polizei an, Fabians Leiche "zufĂ€llig bei einem Spaziergang" entdeckt zu haben â zusammen mit "einer auf einen Rollator gestĂŒtzten Bekannten". Mehrere Zeugen hielten dies fĂŒr unglaubwĂŒrdig, da Klein Upahl zu weit von Reimershagen entfernt sei, um dorthin mit einer gehbehinderten Bekannten spazieren zu gehen.
Laut NDR-Angaben war Gina H. "frĂŒhzeitig mit einem Bekannten am Fundort der Leiche". Der Bekannte sagte aus, "er wurde gezielt dort hingefĂŒhrt". In der Nacht vor dem offiziellen Fund soll sie mit "zwei Bekannten" bereits bei der Leiche gewesen sein. Fabians Vater sagte sie jedoch nicht, dass sie den toten Jungen bereits entdeckt hatte â er erfuhr vom Tod seines Sohnes aus den Medien.
Im Prozess wurden Audio- und Videomitschnitte aus der JVA abgespielt, in der Gina H. in Untersuchungshaft sitzt. Bei einem Besuch von Fabians Vater fragte sie ihn, ob er gegoogelt habe, "ob Wildschweine Menschen fressen". Von ihrem GerÀt aus gab es tatsÀchlich eine entsprechende Suchanfrage. Die Verteidigung rÀumte ein, dass Gina H. bei diesem GesprÀch versucht habe, den Vater zu manipulieren.
Am 16. Prozesstag hörte das Gericht acht Zeuginnen und Zeugen, die EinschĂ€tzungen ĂŒber Gina H. abgaben. Dabei fielen Wörter wie:
Sie habe angeblich MĂ€nner als "Lakaien" ausgenutzt. Ein frĂŒherer Bekannter berichtete von einem Diebstahl von Reitzubehör aus einem GestĂŒtsgebĂ€ude, bei dem sie ihm fĂŒnf Jahre zuvor die alleinige Schuld habe zuschieben wollen. Ein Kaufmann entlieĂ sie nach nur drei Monaten als Lager-Aushilfe, weil andere Mitarbeiter sie beim Klauen erwischt hatten.
Ein "vĂ€terlicher" Freund (70) â der Vater einer ReitschĂŒlerin â half ihr mit gröĂeren GeldbetrĂ€gen. Er sah in ihr einen "guten Kern", aber auch ein groĂes "psychisches Dilemma" mit mangelndem SelbstwertgefĂŒhl. Der Vorsitzende Richter attestierte ihm ein "groĂes Helfersyndrom".
Gina H. schweigt bislang zu den VorwĂŒrfen. Die Verteidigung kĂŒndigte an, dass sie sich im August 2026 Ă€uĂern werde â ein GestĂ€ndnis sei jedoch nicht zu erwarten. Da es sich um einen reinen Indizienprozess handelt, muss das Gericht anhand der Indizien, Zeugenaussagen und Gutachten beurteilen, ob ihr ein heimtĂŒckischer Mord nachzuweisen ist. Der Prozess begann Ende April 2026, befindet sich aktuell in einer vierwöchigen Pause und wird voraussichtlich bis September 2026 andauern. Bei ihrer Verhaftung am 6. November 2025 wirkte sie zunĂ€chst ruhig und teilnahmslos, bei der Festnahme am Nachmittag weinte sie dann emotional.